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Der Weg: Blue Box – Margaretenplatz
Vor der Blue Box – Außen – Nacht – Uhrzeit: 03h40

Eine Person geht in Richtung Neubaugasse und zieht hinter sich eine Tasche voll Schallplatten. Der Gang erscheint langsam, etwas schwerfällig, aber nicht torkelnd.
Die Person bleibt immer wieder kurz stehen und sieht sich um. Man hat das Gefühl, die Person sei Tourist oder jemand der sich die Fassaden und Straßen genauer ansieht. Die Person könnte aber einfach auch nur überlegen, ob es sinnvoll wäre auf ein Taxi zu warten. Die Person geht weiter.
An der Ecke Richtergasse/Neubaugasse bleibt die Person kurz vor einem HIFI Geschäft stehen, biegt dann in die Neubaugasse in Richtung Mariahilferstraße ein. Ein Lieferwagen fährt vorbei. Ansonten ist die Straße leer. Die Auslagen der Geschäfte der Neubaugasse sind größtenteils dunkel – aus dem Fischgeschäft “Nordsee” blinzeln leere Präsentierflächen auf die Straße.
Auf der Mariahilferstraße angekommen, stehen bei einem Würstelstand 4 Jugendliche. Ein Mädchen und drei Burschen. Sie essen und trinken, scheinen einen gelungenen Abend hinter sich zu haben. Die Person beschließt auch noch eine Wurst und ein Bier zu kaufen, redet kurz mit den Jugendlichen. Sie kennen die Blue Box nicht, wobei einer der Burschen meint, er habe das Lokal im Film “Müllers Büro” gesehen. Sie selbst kommen von einem Fest im Camera Club – “coole Party! – was legst du so auf? – kommst du mit?” - wo sie auch gleich wieder hingehen werden.
Die Person will aber nach Hause. Nachdem die Jungendlichen wieder weg sind, ist die Mariahliferstraße leer. Vereinzelt kommen Autos vobei, doch niemand scheint es eilig zu haben. Die Straße, untertags ein wildes Durcheinander von Menschen mit Einkaufswünschen oder Einkaufsvorhaben, scheint durchzuatmen. Eine urbane, nächtliche Ruhe.
Die Person geht weiter. Die Ammerlinggasse bergab, biegt dann rechts in die Gumpendorferstraße ein. Vis a vis dem Ganslwirt steht ein Krankenwagen mit Blaulicht aber ohne Signalhorn. Der Ganslwirt selbst ist dunkel.
Schräg gegenüber hat ein neues Lokal eröffnet. Man sieht noch die Ankündigung für die Eröffnungsangebote: Happy Hour von 18-21h.
Wieder rauschen zwei, drei LKWs vorbei. Die ersten Filialen der umliegenden Supermärkte werden mit tiefgekühltem Frischgebäck versorgt. In der Hofmühlgasse hat nach wie vor eine große Baustelle das Sagen über das Straßenbild. Der ehemals kleine Park ist noch lange nicht grün, aber zugeschissen ist die Erde trotzdem schon. Unter dem Hundekot (und ein paar Metern Erde oder Geröll) parken die ersten Autos. An der Ecke findet sich ein neues Graffiti. An jeder vierten Fassade hat jemand mir Permanent Marker “WEED” geschrieben.
Kurz vor der Pilgrambrücke bleibt die Person vor der Auslage des Plattengeschäftes “Rave Up” stehen und studiert die Auslage eingehend. An der Wienzeile ist die Ampel rot, aber es kommt kein Auto. Daher überquert die Person die Straße, wobei der Plattenkoffer über die Kopfsteinpflaster vorbei an der U-Bahn Station Pilgramgasse rattert.
Einmal bleibt die Person noch stehen und macht eine kurze Pause. Dann die letzte Etappe hinauf zum Margaretenplatz. Auch hier ein neues Schnitzelhaus – wie viele sind des jetzt im Umkreis von 500 Metern? Die Person zählt 5 Frittierstuben.. Gegenüber leuchten die Namen Casino und Las Vegas von einer Lokalfassade.
Am Margaretenplatz ist es dann soweit. Ein Schlüssel wird gezückt - zu hause wartet jemand und schläft. Ein Tor fällt ins Schloß.
Die Musik könnte hierfür ein Soundrack sein.

Bernhard Fleischmann ist Musiker in Wien.
Zahlreiche Konzerte im In- und Ausland seit 1998.
Veröffentlichungen (Auswahl):
2007 melancholie/sendestraße, two concerts/DoCD
2006 the humbucking coil/CD
frisky he said 7"/7inch
the year of - slow days/CD
2003 welcome tourist/DoCD
1999 pop loops for breakfast, CD/LP

www.bfleischmann.com/